Wie wir unsere Infrastruktur gegen Ausfälle und Sabotage sichern müssen
Der große Stromausfall im Januar zeigt die ganze Verwundbarkeit unserer Infrastruktur: Nicht nur sitzen die Menschen im Dunkeln, auch die meisten Heizungsanlagen versagen bei eisigen Temperaturen den Dienst. Vereinzelt sind Bewohnerinnen und Bewohner gar in ihren rundum automatisierten Häusern gefangen.
Ein weiteres Problem: Das in den letzten Jahren aufgebaute System zur Information der Bevölkerung in Bedrohungslagen setzt im Wesentlichen auf Mobilfunk (Cell Broadcast), Warn-Apps (Nina und Katwarn) sowie die Sozialen Medien. Keiner dieser Warnkanäle funktioniert jedoch bei der großflächigen Störung im Januar, da die Mobilfunkmasten an die reguläre Stromversorgung angeschlossen sind. Die Radiosender informieren zwar stündlich über den Ausfall, geben aber keine konkreten Handlungsanweisungen für die Betroffenen weiter.

Pflege: Dramatische Stunden
Besonders trifft der Stromausfall die Bewohnerinnen und Bewohner der Pflegeheime sowie Menschen in der häuslichen Pflege. Medizinische Geräte, aber auch Hilfsmittel wie elektrische Krankenbetten oder Aufzüge fallen aus. Pflegebedürftige sitzen alleine in ihren dunklen, kalten Wohnungen und können nicht auf sich aufmerksam machen, da die Notrufsysteme nicht mehr funktionieren.
Gesundheitsstadträtin Carolina Böhm (SPD) und ihre Mitarbeitenden kontaktieren in Windeseile die Pflegedienste im Bezirk, verschaffen sich einen aktuellen Überblick über die Menschen, die akut Hilfe benötigen. Es zeigt sich: Das in den letzten Jahren aufgebaute Netzwerk funktioniert.
Die meisten Pflegeheime werden bereits in den ersten Stunden des Stromausfalls vom Technischen Hilfswerk an Notstromaggregate angeschlossen. Doch nicht immer gelingt das: Mal fehlt in den Gebäuden der passende Stromanschluss, mal ein geeigneter Aufstellplatz für die großen Geräte. »Hier muss dringend nachgerüstet werden – alle Pflegeheime müssen die Mindestanforderungen an den Katastrophenschutz erfüllen«, fordert Norbert Buchta.

Chronologie des Blackouts
Als es am Morgen des 3. Januar 2026 zu einem Brand an einer Kabelbrücke am Heizkraftwerk Lichterfelde kommt, ahnt noch niemand, dass damit der längste Stromausfall in Berlin seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs beginnt.
Bei dem Brandanschlag werden mehrere parallel verlaufende Hochspannungskabel beschädigt. Dadurch ist nicht nur eine einzelne Leitung, sondern praktisch der gesamte Übertragungsweg zwischen den Einspeisepunkten und den Umspannwerken unterbrochen. Rund 45.000 Haushalte und mehr als 2.200 Gewerbebetriebe in Lichterfelde, Zehlendorf, Nikolassee, Schlachtensee, Wannsee und Dahlem sind von der Stromversorgung getrennt.
Bezirk und Senat aktivieren die vorgesehenen Krisenstrukturen. Die Einsatzleitung koordiniert die Zusammenarbeit von Feuerwehr, Polizei, Netzbetreiber, Hilfsorganisationen und Bezirksämtern. In der Nacht vom 4. auf den 5. Januar stellt die Innensenatorin eine Großschadenslage fest. Alle Beteiligten können damit zentral koordiniert sowie Unterstützung aus anderen Bundesländern angefordert werden.
In den Rathäusern Zehlendorf und Lankwitz, die nicht vom Stromausfall betroffen sind, werden »Katastrophenschutz-Leuchttürme« eingerichtet. Betroffene können sich hier aufwärmen, erhalten Essen, Getränke und Informationen. Auch die SPD öffnet ihr Fraktionsbüro. Benachbarte Städte und Gemeinden richten zusätzliche Notunterkünfte ein. Die Polizei ist Tag und Nacht im betroffenen Gebiet vor Ort, das Technische Hilfswerk versorgt mehrere Pflegeheime mit Notstromaggregaten, die Bundeswehr liefert Kraftstoff.
Bereits in der ersten Nacht kann ein Teil der Verbraucher wieder mit Strom versorgt werden. In den folgenden Tagen gehen nach und nach weitere Straßenzüge wieder ans Netz.
Die Berliner Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) ist von Anfang an vor Ort und informiert die Bürgerinnen und Bürger über den Fortgang der Arbeiten. Am Abend des 7. Januars gelingt der Anschluss an eine provisorische 110-kV-Leitung, und damit nach rund 100 Stunden die vollständige Wiederherstellung der Stromversorgung.

Dringender Handlungsbedarf
Einige Wochen nach dem großen Stromausfall trifft die SPD-Fraktion Steglitz-Zehlendorf Vertreterinnen und Vertreter der Blaulichtorganisationen zu einem Gespräch, bei dem sowohl über die Arbeit, Herausforderungen und Bedarfe der Organisationen diskutiert wird, als auch über konkrete Forderungen an die Bezirkspolitik.
Von den anwesenden Fachleuten wird dabei unter anderem kritisiert, dass zu Beginn nicht alle Zuständigkeiten sofort klar gewesen und Informationen mitunter nicht schnell genug weitergegeben worden seien. Vor allem bei der Kommunikation mit der betroffenen Bevölkerung im Krisengebiet habe es noch viel Verbesserungsbedarf gegeben. Ein unnötiges Ärgernis für die Helferinnen und Helfer sei zudem der große bürokratische Aufwand bei der Freistellung von Ehrenamtlichen von ihrer Arbeitsstelle – andere Bundesländern regelten das besser.
Der SPD-Fraktionsvorsitzende Norbert Buchta, der auch persönlich vom Stromausfall betroffen war, unterstützt die Forderungen und betont die Dringlichkeit: »In diesem Fall hatten wir Glück, dass alles einigermaßen glimpflich abgelaufen ist – darauf dürfen wir uns nicht ausruhen!« Ein erster, wichtiger Schritt ist bereits kurz vor dem Blackout unternommen worden: Auf Initiative der SPD hin hat der Berliner Senat beschlossen, dass jeder Bezirk seit dem 1. Januar dauerhaft zwei Stellen für Katastrophenschutz-Beauftragte finanziert bekommt, und damit für künftige Krisen besser gewappnet ist.
Konkrete Schritte: Was sich ändern muss
- Kritische Versorgungsnetze müssen redundant aufgebaut sein, so dass es nicht mehr möglich ist, diese an einer einzelnen Stelle zu unterbrechen.
- Mobilfunk und mobiles Internet müssen über einen eigenen Notstrom verfügen, Radiostationen stärker in die Verantwortung genommen werden.
- »Katastrophenschutz-Leuchttürme« müssen alle mit einer Notstromversorgung ausgerüstet sein. In anderen Städten sind Wärmezelte und Essen Teil des Schutzkonzepts. Das muss auch für Berlin gelten!
- Meldeketten und Zuständigkeiten müssen klar sein, regelmäßige Katastrophenschutzübungen durchgeführt und aktuelles Infomaterial vorgehalten werden.
- Bürgerinnen und Bürger müssen bei der Vorsorge unterstützt werden – durch Aufklärung, wenn nötig auch finanziell bei der Anschaffung von Powerbanks, batteriebetriebenen Radios, Vorräten.