Was nötig ist, um die Wohnungskrise zu lösen
Berlin ist attraktiv – das finden nicht nur viele Berlinerinnen und Berliner, sondern auch Menschen aus aller Welt, die seit der Wiedervereinigung in die Hauptstadt gezogen sind. Und das ist auch gut so: Ohne ihre Arbeitskraft, ihre Kreativität und ihr Engagement wäre Berlin nicht nur kulturell, sondern auch wirtschaftlich ärmer.
Gleichzeitig ist es der Berliner Immobilienwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten nicht gelungen, den gestiegenen Bedarf an Wohnraum angemessen zu befriedigen. Vor allem an bezahlbaren Wohnungen für kleine und mittlere Einkommen sowie Familien mangelt es. Für viele Menschen sind die gestiegenen Lebenshaltungskosten existenzbedrohend geworden, trotz Vollzeitarbeit.

Gewachsene Kieze schützen
Der SPD-Fraktion Steglitz-Zehlendorf ist es in der zu Ende gehenden Legislatur gelungen, die Einrichtung von drei ersten Milieuschutzgebieten durchzusetzen – gegen den erbitterten Widerstand der CDU. Luxussanierungen, Umwandlungen in Wohneigentum sowie Teilungen oder Zusammenlegungen zwecks Profitmaximierung sind damit deutlich erschwert. Die SPD möchte in der kommenden Legislatur die Ausweisung weiterer Gebiete prüfen lassen.
Knappe Flächen sinnvoll nutzen – Anwohnende frühzeitig beteiligen
Doch durch den Schutz bestehender Mietverhältnisse allein ist die Wohnungskrise nicht zu lösen. Daher setzt die SPD konsequent auf den Neubau von bezahlbarem Wohnraum. Leider fehlen dafür im Bezirk oft die nötigen Partner: Der CDU-Stadtrat für Stadtentwicklung genehmigte beispielsweise noch in diesem Jahr eine komplett aus der Zeit gefallene Siedlung von hochpreisigen Einfamilienhäusern in Lichterfelde Süd. Würden stattdessen Geschosswohnungen errichtet, fänden auf der gleichen Baufläche mehr als doppelt so viele Menschen ein Zuhause.
Dass auf dem Gelände des ehemaligen Truppenübungsplatzes Parks Range nun endlich gebaut wird, ist eine gute Nachricht – doch auch hier hat die CDU durchgesetzt, dass der Anteil bezahlbaren Wohnens deutlich kleiner ausfällt, als es eigentlich möglich gewesen wäre.

Eine weitere Möglichkeit zur Schaffung von Wohnraum ist die Nachverdichtung: Vor allem in der Nachkriegszeit wurden zwischen einzelnen Punkthäusern oft große Abstandsflächen gelassen. Auch durch Aufstockungen oder die Bebauung großer Hinterhöfe kann unter Umständen zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden – wichtig ist dabei aber, die Bedürfnisse der bereits dort lebenden Menschen nicht zu übergehen, Anwohnende frühzeitig zu informieren und in Planungen mit einzubeziehen.
BImA baut in Düppel
Ein Beispiel, wie es nicht laufen sollte, findet sich derzeit in Düppel Süd. Im Rahmen der Wohnraumoffensive von Bund, Ländern und Kommunen plant die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die in den 1960er und 1970er Jahren errichtete Siedlung nachzuverdichten. In einem ersten Bauabschnitt werden elf vierstöckige Wohnhäuser errichtet, zwei davon mit barrierefreien Wohnungen und Aufzug; ab 2027 sollen die dreistöckigen Bestandsbauten ebenfalls ein viertes Geschoss erhalten. Insgesamt sollen 220 neue Wohnungen entstehen.

Viele Anwohnende fühlen sich übergangen, fürchten Verschattung und den Verlust von Privatsphäre. Wie die SPD-Fraktion Steglitz-Zehlendorf auf Nachfrage erfuhr, wurde das Bezirksamt nur sporadisch über erteilte Baugenehmigungen informiert, sonst aber bei der Planung außen vor gelassen. »Das zeigt schon eine Arroganz gegenüber den lokalen Akteurinnen und Akteuren«, erklärt der SPD-Fraktionsvorsitzende Norbert Buchta. Dennoch stehe die SPD im Grundsatz hinter dem Projekt: »Auf die 220 Wohnungen kann die Stadt nicht verzichten.«
Für Norbert Buchta ist entscheidend, dass das Bauvorhaben auch für die heutigen Bewohnerinnen und Bewohner ein Gewinn wird, unter anderem durch eine bessere Verkehrsanbindung: »Eine Taktverdichtung auf der Buslinie 112 sowie eine Ausweitung der Betriebszeiten der Linie 115 wären wichtige, erste Schritte.« Am meisten würden die Menschen in Düppel Süd von der geplanten Verlängerung der U-Bahnlinie 3 sowie dem Wiederaufbau der Stammbahn profitieren – für beides will sich Buchta im Berliner Abgeordnetenhaus einsetzen.
Stillstand am Wiesenschlag
Seit vielen Jahren ist geplant, auf der großen Freifläche am Wiesenschlag neuen Wohnraum zu schaffen. Sollten ursprünglich noch 260 Wohnungen entstehen, rechnet die landeseigene Degewo inzwischen mit 182 Einheiten in drei Gebäuden, davon die Hälfte öffentlich gefördert.
Erste Planungen wurden 2016 vorgestellt, das Bebauungsplanverfahren läuft seit 2017. Dennoch ist bis heute kein Baubeginn in Sicht: Aufgrund anhängiger Klagen und Beschwerdeverfahren privater Grundstückseigentümer mussten die Entwürfe mehrfach überarbeitet werden. Hinzu kamen langwierige Vertragsverhandlungen sowie ein zeitweiser Bearbeitungsstopp im Bezirksamt, weil andere Projekte mit Priorität behandelt wurden. Inzwischen wird mit einem Baustart 2028 gerechnet.

Das Vorhaben am Wiesenschlag hätte ein Vorzeigeprojekt werden können: »Bezahlbares Wohnen im Grünen mit guter Infrastruktur: Einzelhandel, Apotheke, Gesundheitseinrichtungen, Busanbindung direkt vor der Haustür. Anwohnende wurden frühzeitig beteiligt, Wünsche berücksichtigt. Seit 2019 herrscht leider Stillstand«, berichtet Norbert Buchta.
»Zwischen den ersten Planungen und dem Baubeginn wird mehr als ein Jahrzehnt liegen– ein Beispiel dafür, wie komplexe Genehmigungsverfahren und private Klagen den dringend benötigten Wohnungsbau ausbremsen.« Mit der Verwaltungsreform habe der Berliner Senat einen wichtigen, ersten Schritt unternommen. Wichtig sei nun, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen.